Zwei neue Anbauten für die Freiwillige Feuerwehr Wendlingen
WENDLINGEN. Von der Straße aus ist die Baustelle am Feuerwehrhaus in Wendlingen nicht zu sehen. Seit Juli letzten Jahres wird das Gebäude an der Schäferhauser Straße erweitert. Durch die zwei Anbauten im rückwärtigen Teil sollen die beengten Verhältnisse bei der Wehr bald der Vergangenheit angehören. Mehr Aufgaben, eine veränderte Zusammensetzung der aktiven Feuerwehr und ein größerer Fuhrpark sind die Gründe, weshalb die Erweiterung des Feuerwehrgebäudes unabdingbar geworden ist.
Neue Lagerhalle ist komplett fertig
Ein erster Bauabschnitt ist bereits fertiggestellt worden. Michael Gau blickt sich in der neuen Lagerhalle zufrieden um. Das neue Hochregallager ist schon teilweise bestückt. „Wir haben noch einiges bei der HOS ausgelagert“, sagt der Feuerwehrkommandant und ist zuversichtlich, dass schon bald alles Material wieder unter einem Dach untergebracht werden kann. „Das muss noch umgeräumt werden.“
Die neue, mit Deckenstrahlern beheizte Lagerhalle war wegen der Enge in der Fahrzeughalle dringend notwendig. Dort ist nicht nur der Fuhrpark der Feuerwehr untergestellt, sondern zwischen Fahrzeugen und Rückwand befand sich ein circa 35 Meter langes Hochregallager mit der Ausrüstung.
Direkt an die Fahrzeughalle wurde deshalb die Lagerhalle angebaut. Dabei wurde die bisherige Rückwand zur Lagerhalle geöffnet. Musste früher beispielsweise das Zugfahrzeug umständlich mit Anhänger rückwärts in die Halle bugsiert werden, so kann jetzt von hinten durch die Tore der Lagerhalle vorwärts hineingefahren und bei einem Einsatz vorn wieder herausgefahren werden.
Weitere Aufgaben machen mehr Platz für Rüstzeug erforderlich
Im Juli letzten Jahres war mit dem Aushub für die Erweiterungsanbauten begonnen worden. Bereits zum Ende des Jahres konnte Richtfest gefeiert werden. Der Fuhrpark der Feuerwehr ist in den letzten Jahren gewachsen. Eine Drehleiter und ein Tanklöschfahrzeug TLF 3000 sind im letzten Jahr neu hinzugekommen. Mit insgesamt jetzt neun Fahrzeugen und vier Anhängern wurde es in der Fahrzeughalle immer enger.
Durch die Übernahme weiterer Aufgaben wie durch die ICE-Neubaustrecke oder auch wegen unkalkulierbarer Unwetterereignisse, verbunden mit dem Hochwasserschutz, ist die Feuerwehr gehalten, weitere Vorsorge zu treffen. Gemeinsam mit Weilheim bildet Wendlingen einen Hochwasserschutzzug im Kreis Esslingen. Auch für den Katastrophenfall musste für einen weiteren Anhänger mehr Platz geschaffen werden.
Im zweiten Anbau befinden sich der Umkleide- und Sanitärbereich
Während also die Lagerhalle fertig ist, wurde im zweiten Anbau gerade die Decke vergipst. Dort ist künftig der Umkleide- und Sanitärbereich der männlichen Feuerwehrleute untergebracht. Dieser mit Oberlichtern versehene Trakt wurde so konzipiert, dass die Feuerwehrleute künftig bei einem Einsatz direkt vom Parkplatz in diesen Bereich gelangen, was auch Zeit sparen wird.
Durch die teils frei werdenden Räume im Altbau eröffnen sich neue Möglichkeiten zur Verbesserung von Abläufen. So wird etwa der Raum für die Atemschutzausstattung verlegt und auch die Privat- und Einsatzkleidung kann jetzt getrennt voneinander aufbewahrt werden. Die Unfallkasse hatte das bei einer Begehung moniert: Das Problem dabei ist die eventuell bei einem Einsatz mit Schadstoffen kontaminierte Kleidung, die bei der Rückgabe nicht mit der Privatkleidung in Berührung kommen darf.
Unter dem An- und Umbau dürfen die Einsätze nicht leiden
Auch die weiblichen Feuerwehrleute erhalten einen neuen Umkleide- und Sanitärbereich, der bisher notgedrungen etwas abseits gelegen hat. Sie erhalten den jetzigen Sanitärraum der Männer, der für sie neu gestaltet wird. „Das sind logistische Herausforderungen für Architekt und Feuerwehr“, sagte Markus Lämmle, der Erste Beigeordnete der Stadt Wendlingen, in dessen Bereich sich die Baumaßnahme befindet. „Nachdem wir im Bestand bauen, war klar, dass sich die Unannehmlichkeiten in Grenzen halten müssen.“
Weitgehend Rohbau ist noch der Trakt für die Jugendfeuerwehr. Umkleiden und Sanitäranlagen, getrennt nach Geschlechtern, befinden sich künftig auf dem Dach. Dabei wurde die erforderliche Fluchttreppe bereits installiert. Auf eine weitere Flächenversiegelung konnte dadurch verzichtet werden, sagte Markus Lämmle. Die noch gut in Schuss befindlichen Spinde der aktiven Wehr können im Jugendbereich weiter genutzt werden.
Die Feuerwehr wird für den Schutz der Bevölkerung ausgestattet
Bis Anfang März gab es bereits den 40. Alarm für die Wendlinger Feuerwehr in diesem Jahr. „Dass unsere Wehr eine adäquate Ausstattung hat, dient ausnahmslos dem Bevölkerungsschutz“, verdeutlichte Lämmle und betonte damit auch seine Wertschätzung und die der Stadt gegenüber der Freiwilligen Feuerwehr.
Für Kommandant Michael Gau sind die Anbauten wichtig, aufgrund der bekannten Aufgabenerweiterungen, die die Wendlinger Feuerwehr darüber hinaus auch für den Landkreis leistet. Gau ist dankbar, dass der Gemeinderat den Schritt mit den damit verbundenen Kosten mitgegangen ist. Das wertet er als „gutes Zeichen“. Die Kosten für die Anbauten und damit verbundenen Neuerungen wie etwa eine neue Haustechnik und neue Brandschutztüren belaufen sich auf etwa 3,6 Millionen Euro. „Wir sind im Budget“, freut sich Lämmle.
„Was für den Schutz der Bevölkerung notwendig ist, das haben Stadt und Gemeinderat immer mitgetragen“, so der Kommandant. „Auch das trägt zur Motivation der Feuerwehr bei“, weiß Gau aus Erfahrung.
Antje Wild, von Wild-Architekten, geht davon aus, dass bis Mitte/Ende April der Außenputz dran ist. Der Innenausbau mit Estrich und Fliesen wird bis etwa Juni abgeschlossen werden können. Auch steht in der Fahrzeughalle noch aus, die neue Lüftungsanlage zu installieren. Voraussichtlich bis zu den Sommerferien sind laut Wild die neuen Räumlichkeiten bezugsfertig.
(Quelle: Artikel der Wendlinger Zeitung vom 12.03.2026)