WENDLINGEN. Die Hauptversammlung der Wendlinger Feuerwehr ist für die Mitglieder auch immer eine gesellschaftliche Veranstaltung. Ausgehuniform ist selbstverständlich. Am vergangenen Freitag fehlten nur wenige der 119 Mitglieder. Entschuldigt natürlich. Traditionell gibt es Hähnchen vom Grill, die Mitglieder der Jugendfeuerwehr durften das Essen servieren.
Doch kaum waren die Teller abgeräumt, ging Kommandant Michael Gau ans Eingemachte. Er präsentierte Zahlen, Daten und Fakten. Zum Beispiel die, dass die Einsatzabteilung 76 Aktive umfasst. Damit ist die Feuerwehr Wendlingen noch ganz gut aufgestellt. Doch Michael Gau verschwieg nicht, dass in den nächsten Jahren einige Kameraden in die Altersfeuerwehr wechseln. Deswegen wirbt die Feuerwehr verstärkt um neue Mitglieder. Mitglieder wie Daniel Präger. Er ist Mitte dreißig und damit liegt er so ziemlich genau im Altersdurchschnitt der Einsatzabteilung, der bei 37 Jahren liegt. Präger ist ein Quereinsteiger. „Wir bemühen uns verstärkt auch um solche Zuwächse, denn wir wollen uns nicht nur auf die Jugendfeuerwehr verlassen“, sagt Gau.
2025 war die Feuerwehr 173-mal im Einsatz
2025 war ein Jahr ohne Großschäden und Unwetter. Deswegen war die Feuerwehr mit 173 Einsätzen etwas weniger häufig unterwegs als im Jahr 2024, als man die Floriansjünger 229-mal um Hilfe bat. Gau wies darauf hin, dass die Einsätze jedoch alle in die Kernarbeitszeiten fallen. „Wir müssen dankbar sein, dass viele Arbeitgeber bereit sind, die Kameraden in den Einsatz gehen zu lassen“, sagt er und betont, dass die Wendlinger Wehr jederzeit einsatzbereit sei. Auch dank der Unterstützung der umliegenden Feuerwehren.
Betrachtet man die abgeleisteten Stunden der Wendlinger Feuerwehr, kommt man auf insgesamt 8322 Stunden. Davon entfallen 1106 Stunden auf die externe Ausbildung, beispielsweise für Atemschutzträger, für den Umgang mit der Motorsäge, die Ausbildung zum Gruppenführer oder Maschinist oder auch die Bedienung des Sprechfunks. Mit 2317 Stunden wurde richtig viel Zeit für die Ausbildung an der Drehleiter investiert, die 2025 ins Portfolio der Feuerwehr kam. 20 Personen wurden ausgebildet, die Drehleiter zu bedienen. Die Einsatzstunden können sich ebenfalls sehen lassen. Einschließlich der Feuerwachen war die Wendlinger Wehr im vergangenen Jahr 2567 Stunden im Stadtgebiet und auf der Autobahn unterwegs. „Das schafft nicht jede Wehr“, zollte der Kommandant den Kameraden Respekt.
Von der rauchenden Steckdose bis zum Chlorgasalarm im Freibad war alles dabei
Gerufen wurden die Einsatzkräfte zur rauchenden Steckdose, zu einer brennenden Fritteuse und einem brennenden Kühlschrank auf einem Balkon. Sie rückten 34-mal aus, weil Brandmelder ausgelöst wurden. Und fünfmal, weil eine Person in einem Aufzug steckenblieb. Einmal musste ein Kleinkind aus einem abgeschlossenen Fahrzeug befreit werden. Am 19. Mai war eine Matratze in Brand geraten, weil ein Bügeleisen darauf abgestellt wurde. Weithin sichtbar war der Rauch, der beim Brand eines Gartenhauses am 5. Juli entstand. Das Feuer hatte sich bereits auf die Hausfassade und das Dach des Wohnhauses daneben ausgebreitet. „Die Familie hatte sehr viel Glück, dass die Wohnung innen nicht betroffen war“, sagte Michael Gau. Gut in Erinnerung blieb den Feuerwehrleuten auch der Küchenbrand in einem Restaurant auf dem Behr-Areal. Hier gab es eine Fettexplosion. Auch der Chlorgasalarm im Freibad am 17. August darf in der Statistik nicht fehlen. Ein undichtes Manometer war schuld daran, dass Gas austreten konnte. „Der Einsatz war erst als klein eingestuft, das erwies sich jedoch als falsch“, sagte Gau. Im Einsatz waren schließlich unter anderem auch der Messzug aus Ostfildern sowie der Gefahrgutzug aus Esslingen, in dem Berufs- und Freiwillige Feuerwehr gemeinsam arbeiten. Das Abdrehen der Chlorgasflaschen erwies sich schließlich als die Lösung.
Einige spektakuläre Unfälle auf der A8
Auf der A8 waren die Feuerwehrleute 16-mal unterwegs. Hier ging es teilweise wild zu. Beispielsweise am 18. August, als ein Fahrer in die Leitplanken krachte, ohne dass ein anderes Fahrzeug involviert war. „Hier ist dem Fahrer wohl das Talent ausgegangen“, zitierte Michael Gau einen Polizeibeamten der Autobahnpolizei. Der Fahrer kam glimpflich davon, was vor allem dem stabilen Aufbau der heutigen Fahrzeuge zu verdanken ist. Am 5. Oktober brannte ein Wohnmobil auf der Autobahn. Der Fahrerin, die das Gefährt nach Dettingen zum Kundendienst bringen wollte, ist zwar nichts passiert, sie verlor allerdings viele Reiseerinnerungen, die sich im Fahrzeug befanden. Richtig teuer war der Unfall am 18. Dezember. Ein 25-Jähriger fuhr mit seinem Lamborghini Urus einem Kleinlaster ins Heck. Die Autobahn war von circa 0.30 Uhr bis 6 Uhr morgens gesperrt. Der Lamborghini war nicht mehr fahrbereit. „Aus persönlichem Interesse habe ich mal im Internet nachgeschaut, was so ein Lamborghini kostet“, sagte Michael Gau. Er fand heraus: In der Grundausstattung muss man für das Auto 260.000 Euro anlegen. Die Polizei habe den Schaden auf 300.000 Euro geschätzt.
Schriftführerin Stefanie Schad blickte auf die Aktivitäten der Freiwilligen Feuerwehr außerhalb der Einsätze und Trainingszeiten zurück. Die reichten von einer Skiausfahrt nach Lermoos in Österreich bis zum Feuerwehrsport, der längere Zeit etwas brachlag. „Nun haben wir ihn wieder aufleben lassen“, sagte sie schmunzelnd. Die Wendlinger Wehr zeigte Präsenz bei der Leistungsschau in der Stadtmitte und beim Kreisfeuerwehrtag in Jesingen. Sie überführten ihr altes Tanklöschfahrzeug nach Ungarn. „Da blutet einem schon das Herz“, sagte Schad beim Anblick der Bilder wehmütig. Dann nahm die Wendlinger Feuerwehr an der im vergangenen Jahr so populären Baumpflanz-Challenge teil. Die fand in ganz Deutschland statt und wollte den Fokus auf den Umweltschutz legen. Fahrzeugeinweihung, Klausurtagung in Ulm, Heiliger Vormittag im Feuerwehrhaus und die Silvestersause zeigen, dass die Kameradschaft bei der Wehr groß ist. Auch die Alters- und die Jugendabteilung waren in ihrer Freizeit viel unterwegs.
Die Kassenprüfer Fabian Reimer und Sven Gneiting bescheinigten Kassier Herbert Armbruster, dass das Kassenbuch tadellos gepflegt war. „Der Kassier konnte alle Rückfragen beantworten“, sagten sie schmunzelnd. Armbruster wurde einstimmig entlastet. Die Entlastung des Kommandanten nahm Bürgermeister Steffen Weigel vor. Auch sie wurde einstimmig gewährt.
Bürgermeister Weigel lobte den uneigennützigen Einsatz der Wehr
Zu Beginn der Hauptversammlung, noch vor dem Essen, hatte der Rathauschef ein Grußwort an die Mitglieder der Wendlinger Wehr gehalten. Er fand, dass im Alltag zuweilen die Erkenntnis darüber in den Hintergrund tritt, welch großer Belastung die Feuerwehrleute ausgesetzt sind. „Gerade in einer Gesellschaft, in der Egoismus eine immer noch größere Rolle zu spielen scheint und die Anzahl derer, die ausschließlich auf ihre persönlichen Belange achten, immer größer wird, ist es wohltuend zu wissen, dass die gerade auch bei jüngeren Menschen anders sein kann“, sagte Weigel. Er verwies auf die Arbeiten zum Umbau und Anbau des Feuerwehrhauses, die im vergangenen Jahr begonnen wurden und im Herbst fertig sein werden. „Damit ist die Feuerwehr wieder für längere Zeit adäquat untergebracht und kann ihren Aufgaben nachkommen“, sagte er. Dazu tragen auch das neue Tanklöschfahrzeug 3000 und die erste Drehleiter in der Geschichte der Wendlinger Feuerwehr bei. Die Anschaffungskosten für die beiden Fahrzeuge bezifferte Weigel auf rund 1,5 Millionen Euro. Die Drehleiter soll übrigens auch in Wernau eingesetzt werden. Das, so Weigel, erhöhe die Belastung nochmals, „was uns dazu bringen wird, über eine Sonderregelung bezüglich der Einsatzabrechnung in der Überlandhilfe nachzudenken“.
(Quelle: Artikel der Wendlinger Zeitung vom 02.02.2026)



