So heißt die neue Drehleiter von Wendlingen
Das erste Mal mit dem Thema Drehleiter beschäftigt hatte sich die Wendlinger Feuerwehr spätestens im Jahr 1968. Bis sie dann tatsächlich da war, dauerte es ein wenig – bis 2025.
WENDLINGEN. So ein Tag, war sich Bürgermeister Steffen Weigel bei der Feier in der Wendlinger Feuerwehrwache sicher, werde sich in den nächsten Jahrzehnten nicht wiederholen: Die Freiwillige Feuerwehr Wendlingen am Neckar erhielt gleich zwei neue Fahrzeuge. Insgesamt sind für die Drehleiter mit Korb, DLAK 23/12, und das Tanklöschfahrzeug, TLF 3000, rund 1,5 Millionen Euro geflossen. Daran beteiligen sich das Land und der Landkreis mit zusammen 449.000 Euro, den Rest trägt die Stadt Wendlingen. Dass es zur Doppelfeier kam, hing auch von den unterschiedlichen Lieferzeiten ab: Sie betrug beim TLF 3000 rund 30 Monate, bei der Drehleiter nur zwölf Monate.
Zum Glück pflegt Rainer Kaiser ein hervorragendes Feuerwehrarchiv, so konnte er den Bürgermeister mit umfassenden historischen Daten versorgen. Anhand dieser schilderte Weigel die faszinierende Vorgeschichte der Drehleiterbestellung. Schon 1968 wies der damalige Kommandant Otto Böhmler darauf hin, irgendwann werde die Wendlinger Feuerwehr eine Drehleiter brauchen – waren doch damals am Berg mehrere Hochhäuser geplant. Diese standen im Jahr 1974, eine Drehleiter war erneut Thema, wurde aber für zu schwerfällig befunden.
Mit dem Bau der Hochhäuser wurde die Drehleiter Thema
Drei Jahre später wurde die Freiwillige Feuerwehr Wendlingen zum Stützpunkt Feuerwehr und bekam dabei weitere Aufgaben. Eine Voraussetzung dafür war der Besitz einer Drehleiter, doch deren Beschaffung wurde vertagt, denn der Neubau des Gerätehauses ging vor. 1981 sprach sich der Kommandant erneut vehement für den Kauf einer Drehleiter aus, die Wendlinger Zeitung kommentierte die Vorgänge in scharfen Tönen. „Zuerst das neue Feuerwehrhaus“, hieß es auch 1983, und 1985 war die Drehleiter weiterhin ein Thema.
Die erwarteten Kosten waren inzwischen von umgerechnet rund 250.000 Euro auf 350.000 Euro gestiegen. Nicht nur die angespannte Haushaltslage bremste die Anschaffung in den Folgejahren, auch das Bewusstsein, dass eine Drehleiter nach intensiver Schulung und nach Spezialkenntnissen verlangt. Der Kreisbrandmeister verwies auf den vermehrten Bedarf in Köngen und den Umlandgemeinden und stieß damit das Thema erneut an. Am Ende, sagte Weigel, hätten sich sowohl die Feuerwehr als auch der Gemeinderat in die zwingende Notwendigkeit zur Beschaffung gefügt.
Der Umgang mit der Drehleiter will gelernt sein
Die Drehleiter hört in Zukunft auf den Namen Florian Wendlingen 33. Erst in Zukunft? Ja, denn zuvor muss der Hersteller des Aufbaus, die Firma Rosenbauer, noch verbliebene Mängel beseitigen, dazu fährt die Drehleiter am Montag für ein paar Tage in die Werkstatt nach Karlsruhe. Laufe alles nach Plan, auch die noch verbleibenden Schulungen, sei die Drehleiter ab 7. Januar einsatzbereit, sagte der Kommandant Michael Gau. Schon bisher seien für die Schulungen wohl weit über 1000 Arbeitsstunden absolviert worden. „Wie komplex das eine oder andere ist, wird einem erst klar, wenn man damit arbeitet.“ Und das in teils luftiger Höhe: Die Drehleiter hat eine Nennrettungshöhe von 23 Metern, bei einer Ausladung von zwölf Metern.
Das neue Tanklöschfahrzeug TLF 3000 ist einen Schritt weiter, es hat sich bereits in einigen Einsätzen bewährt. Es bringt 3400 Liter Wasser, einen Lichtmast und eine erweiterte Ausstattung für Verkehrsabsicherungen mit. Damit ist es auch für Einsätze auf der Autobahn bestens gerüstet. Motorsäge, Tauchpumpe, Wassersauger und eine Zusatzbeladung für Wald- und Flächenbrände sind ebenfalls an Bord. Das Fahrzeug kann auch während der Fahrt Wasser abgeben. Für dieses Fahrzeug kam die Feuerwehr mit rund 250 ehrenamtlichen Schulungsstunden aus.
Segen für ein Arbeitspferd und ein Rettungsgerät
Was beide Fahrzeuge gemeinsam haben: Sie sind auf einem Atego-Fahrgestell der Daimler Truck AG aufgebaut und haben jeweils 299 PS. Beide Fahrzeuge werden, wie der stellvertretende Kreisbrandmeister Ralf Bader betonte, auch überörtlich im Landkreis im Einsatz sein. Das TLF 3000 beschrieb Bader als „Arbeitspferd“, die Drehleiter mit Korb als „Rettungsgerät“.
Die Bitten um Gottes Schutz und Segen – für die Feuerwehrkameraden im Einsatz und für alle anderen Betroffenen – übernahm Pfarrer Peter Brändle. Gott handle vor allem durch Menschen, sagte Brändle, auch durch die Feuerwehr. Er erläuterte das mit einem Witz über ein Brandopfer, das sich bei seiner Ankunft im Himmel bei Gott über die ausgebliebene, direkt von oben erwartete Hilfe beschwert. „Dreimal habe ich dir die Feuerwehr mit der Drehleiter vorbeigesandt“, entgegnet ihm der Schöpfer.
Bleibt noch die eine Frage offen: Warum heißt die Drehleiter, so ist es auch klein an der Seite angeschrieben, Hannelore? Die Antwort auf diese Frage ist ein gut gehütetes Geheimnis, nicht einmal der Kommandant konnte sie geben: „Das haben die Kameraden unter sich ausgemacht.“ Lassen wir ihnen ihr kleines Geheimnis. Viel wichtiger ist doch, was Ralf Bader feststellte: „Die Drehleiter wird helfen, Brände von oben zu bekämpfen, und sie wird Menschenleben retten.“
(Quelle: Artikel der Wendlinger Zeitung vom 15.11.2025)



