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Feuerwehrhaus in Wendlingen platzt aus allen Nähten

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Wegen des erweiterten Aufgabenspektrums der Freiwilligen Feuerwehr wird mehr Platz für die Lagerung von Geräten benötigt. Außerdem steht der Ausbau des Sanitärbereichs bevor.

WENDLINGEN. Seit der Einweihung des Feuerwehrhauses im Jahr 1991 hat sich viel verändert. Zum einen sind die Einsatzzahlen gestiegen, zum anderen sind weitere Aufgaben im Laufe der Jahre zu den bisherigen der Wehr hinzugekommen. Dies ist vor allem der ICE-Neubaustrecke mit Albvorlandtunnel, der Kleinen und Großen Wendlinger Kurve und der Güterzuganbindung geschuldet. Diese Abschnitte liegen im Zuständigkeitsbereich der Wendlinger Feuerwehr. Bei eventuell auftretenden Zugunfällen sind die Wendlinger Floriansjünger die ersten Rettungskräfte, die am Einsatzort sind.

Dies und die zunehmenden Unwetterereignisse haben die Ausrüstung der Feuerwehr vergrößert. Insbesondere die Lagerkapazitäten sind dadurch an ihre Grenzen gekommen. Aber auch das Konzept der Lagermöglichkeiten hat sich verändert. So sind heute Rollcontainer für das Equipment üblich.

Die Unfallkasse schreibt eine Trennung der Arbeits- und der Privatkleidung vor

Darüber hinaus hatte eine Begehung des Feuerwehrhauses durch die Unfallkasse Baden-Württemberg im Jahr 2020 Weiteres zutage gebracht. Die Unfallkasse hatte bemängelt, dass die Situation in den Umkleide- und Sanitärbereichen bereits den damaligen Anforderungen an den Platzbedarf und an die Hygiene nicht mehr entsprechen würde. Insbesondere die Trennung von Privat- und Einsatzkleidung sei nicht gegeben. Hingewiesen wurde außerdem auf den zunehmenden Anteil von Frauen bei der Feuerwehr. Beim Bau des Feuerwehrmagazins Anfang der 1990er-Jahre hatten diese kaum eine Rolle gespielt. Das hat sich im Laufe der Jahrzehnte geändert, was eine Trennung von Umkleide- und Sanitärräumen erforderlich macht. Nach einer Empfehlung der Unfallkasse soll dies innerhalb von drei bis fünf Jahren umgesetzt werden.

Nach der Fortschreibung des Feuerwehrbedarfsplanes von 2020 sollte ein Planungsprozess für das Feuerwehrhaus eingeleitet werden. 2022 wurde das Architekturbüro Weil mit der Untersuchung der Erweiterung inklusive Kostenschätzung beauftragt. Mit der Machbarkeitsstudie soll auch der größere Raumbedarf für die Feuerwehrjugend berücksichtigt werden. Die Jugendfeuerwehr verfügt durchschnittlich über 25 Jugendliche und fünf Betreuer. Für die Umkleide soll ein bestehender Gebäudeteil aufgestockt werden.

Bei der Gemeinderatssitzung am Dienstag präsentierte Architektin Antje Wild die Machbarkeitsstudie. Danach ist eine Erweiterung des bestehenden Magazins mit mehreren Bauteilen geplant, die in zeitlich versetzten Bauabschnitten verwirklicht werden sollen. Der neue Umkleidetrakt soll im hinteren Bereich des heutigen Gebäudes entstehen. Mit dem Anbau an der Ostseite sollen auch gleichzeitig die bestehenden Sanitäranlagen saniert werden. Dort sollen künftig die Feuerwehrfrauen sich duschen. Bislang müssen sich Frauen und Männer die gleiche Duschanlage teilen. „Nach dem heutigen Gentlemen’s Agreement geben die Männer den Frauen beim Duschen den Vortritt“, erklärte Antje Wild in der Sitzung die heutige Situation.

Bei der vorgestellten Studie wurden auch die Abläufe im Feuerwehrhaus an die gewandelten Anforderungen angepasst. Bei einem Alarm gelangen die Feuerwehrleute künftig direkt vom Parkplatz ins Magazin über einen Zugang im rückwärtigen Bereich des Gebäudes, wo sie direkt in den Umkleidebereich gelangen. Wird der Umkleidebereich heute von beiden Geschlechtern genutzt, wird dies nach dem Umbau in getrennten Räumen sein. Bei heute 65 männlichen Feuerwehrleuten und zehn Feuerwehrfrauen wird es in Zukunft nicht bleiben. Dies wird von der geplanten Erweiterung berücksichtigt, indem von bis zu 78 Männern und 16 Frauen ausgegangen wird.

Direkt an den für den Durchbruch vom bestehenden Gebäude in den neuen Trakt vorgesehenen Raum soll die Kleiderabgabe nach einem Einsatz vollzogen werden. Heute gibt es dafür keine Trennung. In Zukunft werden sich die Feuerwehrleute, bevor sie sich umziehen, in diesen separaten Raum begeben, wo die kontaminierte Einsatzkleidung ausgezogen und zum Reinigen abgegeben wird. Damit soll die Berufskleidung nicht mit der privaten in Kontakt kommen.

Wichtig für die Feuerwehr ist neben den Einsatzfahrzeugen auch ihre weitere Ausrüstung. Ein Großteil des Lagers befindet sich aktuell in der Fahrzeughalle hinter den Feuerwehrfahrzeugen an der Wand. Deshalb muss dringend die Lagererweiterung umgesetzt werden. Bürgermeister Steffen Weigel sagte dazu: „Das Feuerwehrhaus platzt aus allen Nähten.“ Für das Hochregallager mit 35 laufenden Metern ist ein separater Anbau geplant.

Da die Erweiterung unter laufendem Betrieb stattfinden muss, soll das Vorhaben in zwei separate Bauabschnitte aufgeteilt werden. Begonnen wird mit den Umkleide- und Jugendbereichen, da dies von der Unfallkasse so gefordert wird. In einem zweiten Abschnitt folgt dann die neue Lagerhalle. Mit einem Um- beziehungsweise Anbau wird in 2024 und 2025 gerechnet.

(Quelle: Artikel der Wendlinger Zeitung vom 06.07.2023)

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Foto: Wendlinger Zeitung/Ralf Just