Feuerwehren aus dem Kreis Esslingen in Aichtal unter Zeitdruck

Rund 60 Maschinisten von 18 Feuerwehren aus dem Landkreis stellten am Samstag in Aich ihr Können unter Beweis und absolvierten einen anspruchsvollen Parcours.

AICHTAL-AICH. Der laufende Motor sendet kontinuierlich Vibrationen durch das große Löschfahrzeug. Die Sicherheitsgurte sind angelegt, die Spiegel millimetergenau eingestellt. Der Maschinist nickt seinem Kollegen auf dem Beifahrersitz angespannt zu, holt tief Luft und wirft einen konzentrierten Blick in den Rückspiegel.

Die Anspannung hängt spürbar in der Luft, obwohl der Maschinist den Parcours unzählige Male geübt hat. Nun ist der entscheidende Moment gekommen, das Ergebnis zählt. Schließlich setzt sich das tonnenschwere Löschfahrzeug in Bewegung – erst schwerfällig und langsam, dann erstaunlich präzise und kontrolliert.

Training unter realen Bedingungen

Auf dem Firmengelände des Aldi-Zentrallagers in Aichtal haben sich an diesem Samstag 60 Maschinisten aus 18 Feuerwehren des Landkreises Esslingen versammelt. Rund 40 Einsatzfahrzeuge stehen bereit, jedes einzelne mit ganz eigenen Eigenschaften – von älteren Modellen ohne Servolenkung bis hin zu modernen Fahrzeugen mit Rückfahrkamera.

Die Veranstaltung trägt den offiziellen Namen „Geschicklichkeitsfahren für Maschinisten“ und versteht sich nicht als klassischer Wettbewerb im sportlichen Sinne. „Es geht darum, dass die Maschinisten ihre Fahrzeuge besser kennenlernen und sicher beherrschen“, erklärt Markus Czech von der Feuerwehr Aichtal. Im Einsatz müsse jeder Handgriff sitzen, jede Bewegung auch unter Zeitdruck funktionieren. Genau das wird hier vorausgesetzt.

Über 100 Bewerbungen für 60 Plätze

Die Teilnahme ist freiwillig – und genau das macht die hohe Nachfrage besonders bemerkenswert. Mehr als 100 Bewerbungen gingen für die lediglich 60 verfügbaren Plätze ein. Ein deutliches Zeichen dafür, wie gut das Format in den Feuerwehren im Landkreis angenommen wird und welchen Stellenwert die praktische Übung in einem realitätsnahen Umfeld hat.

Maximal sechs Minuten stehen für den gesamten Parcours zur Verfügung, zusätzlich dürfen höchstens 30 Fehlerpunkte entstehen. Wer diese Grenzen überschreitet, besteht nicht. „Die meisten bewegen sich in einem engen Zeitfenster, oft zwischen viereinhalb und fünfeinhalb Minuten“, bestätigt ein Schiedsrichter. Kleine Ungenauigkeiten können dabei schnell entscheidend werden.

Wenn jeder Zentimeter zählt

Bereits die erste Station zwingt die Maschinisten zu absoluter Präzisionsarbeit. Eine enge Gasse, kaum breiter als das Fahrzeug selbst, links und rechts nur wenige Zentimeter Spielraum. Beim Vorwärtsfahren wirkt noch alles ruhig, fast selbstverständlich. Doch sobald der Rückwärtsgang eingelegt wird, kippt die Situation spürbar: Der Einweiser steigt aus, die Warnblinker gehen an, kurze Handzeichen – dann setzt das Fahrzeug langsam zurück.

An der nächsten Station zeigt sich, wie sensibel das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine ist. Beim Heranfahren an eine Begrenzung soll ein Abstand von zehn Zentimetern eingehalten werden – eine Distanz, die schnell zur Gratwanderung wird. Viele sind zu vorsichtig. „Angstabstand“ nennt Markus Czech diese typische Situation später. So entstehen schnell 30 Zentimeter Abstand, die zu entscheidenden Fehlerpunkten führen.

Im anschließenden Slalom kehrt eine konzentrierte Ruhe ein. Rückwärts geht es zwischen den Hütchen hindurch, dann wieder vorwärts zurück. An dieser Stelle zeigt sich, wie wichtig ein gutes Zusammenspiel zwischen Maschinist, Einweiser und Fahrzeug ist.

Die Wende auf engem Raum bildet schließlich eine der anspruchsvollsten Passagen. Neun Meter Breite wirken auf den ersten Blick ausreichend. Doch das massive Fahrzeug ist deutlich länger als der vorhandene Spielraum – und jeder Zentimeter entscheidet über Fehler oder Gelingen.

Den Abschluss bildet die Gefahrenbremsung bei rund 25 Stundenkilometern. Was zunächst unspektakulär klingt, entfaltet im Moment der Durchführung seine Wirkung: ein harter Ruck, quietschende Reifen, das Gewicht des Fahrzeugs, das abrupt zum Stillstand gezwungen wird, die Insassen, die sichtbar in die Gurte gezogen werden. Und dann, kaum dass das Fahrzeug steht, der letzte kurze Sprint bis zur Ziellinie.

Vorbereitung auf den Ernstfall

Gefordert wird an diesem Tag einiges: Präzision, Konzentration und ein sicheres Zusammenspiel zwischen Mensch und Fahrzeug. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass die Aufgaben mit entsprechender Vorbereitung gut zu bewältigen sind – sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. „Man sieht sofort, wer sich gut vorbereitet hat“, sagt Markus Czech. Die meisten, die das Training ernst genommen hätten, kämen auch sicher durch den Parcours. Entscheidend sei am Ende nicht Perfektion, sondern Routine und Ruhe im richtigen Moment.

Auch bei den Teilnehmern fällt das Fazit deutlich positiv aus. Fabian Bruder aus Filderstadt beschreibt vor allem die intensive Vorbereitung als entscheidenden Faktor. Er sei froh über die vielen Übungseinheiten und fühle sich nun deutlich sicherer im Umgang mit dem Fahrzeug. „Ich denke, ich bin für den Ernstfall gut vorbereitet“, sagt er rückblickend – mit spürbarer Erleichterung nach einem langen Tag voller Anspannung und Aufregung.

(Quelle: Artikel der Wendlinger Zeitung vom 19.04.2026)